Was haben Fußball und Triathlon gemeinsam? – LM Kurzdistanz in Geestacht, 24. Juni 2018

Als Fußballer in meinem ersten Leben habe ich mich stets über Fritz-Walter-Wetter gefreut, war ich doch als Grobtechniker eher für die Defensive zuständig und konnte alles abgrätschen, was mir in die Quere kam – stets fair, möchte ich betonen! Auch wenn ich mit zunehmendem Alter zum Triathleten und somit Weichei mutiert bin, schreckt mich dennoch schlechtes Wetter nicht ab, da ich immer denke: „Die anderen leiden noch mehr.“ 😉 Aber sooooo schlecht wie heute muss das Wetter doch nun wirklich nicht sein! Und noch eine Parallele zwischen Fußball und Triathlon sollte mir während des Rennens durch den Kopf gehen.

Das Wasser sollte heute mit 19 Grad noch das wärmste Element sein, während die Lufttemperaturen meinten, sie müssten mal auf Winter umstellen. Bei 12 Grad und Nieselregen kam dann auch eher vorweihnachtliche Stimmung auf denn Summer-Feeling. Ich warte schließlich, bis es sich nicht mehr vermeiden lässt und ich ins Wasser muss. Wenigstens noch einmal kurz den Kopf reinhalten, bevor es losgeht. Die folgenden Handlungen sind Routine: Kappe richten, Schwimmbrille noch einmal vom Beschlag befr . . . „Oh nein, was ist das?“ Beim Abziehen der Brille vom Gesicht reißt mir das Band – 2 min vor dem Start! Hektik, Panik. Abtauchen? Eine schnelle Inspektion führt zur Beruhigung. Dieser geniale Schwimmbrillenhersteller hat glücklicherweise ein Clipsystem verwendet. Und nur dieser Clip ist abgegangen. Draufgeclipt – fertig. Jetzt sind es noch 60 s bis zum Start. Ich habe noch keine Schwimmtaktik, befinde mich im Moment ganz rechts an der Startlinie. Die erste Boje kommt aber nach ca. 250 m. Und da wäre ich innen. Keine gute Wahl. Also schwimme ich schnell einmal die komplette Front ab und sortiere mich ganz links am Ufer, nein, quasi im Schilf, ein. „Hoffentlich verfange ich mich gleich nicht in den Schlingpflanzen!“ Doch alles geht gut. Ich komme gut weg, bin an der ersten Boje sogar relativ weit vorne und erwische schon wieder gute Füße vor mir. „Der Typ ist gut. Den verliere ich dieses Mal nicht aus den Augen.“ Gesagt, getan. So geht es über 1500 m, nach denen ich unter den ersten 10 den Seitenarm der Elbe verlasse. Unglaublich! Ich unter den ersten 10 nach dem Schwimmen!? (Hier müsste jetzt eigentlich so ein Erstaunt-sein-Emoji folgen).

Am Rad angekommen, muss ich mich aus dem Neo quälen. Die Hände sind jetzt schon so klamm, dass es länger dauert als sonst. Mit einem Blick erhasche ich, dass meine Radbrille komplett nass ist vom Nieselregen und entscheide mich kurzfristig gegen das Tragen. Rauf aufs Rad und ab. Doch zunächst ist kein „rollen“ angesagt. Man fühlt sich auf den ersten 200 m eher wie bei Paris – Roubaix: Kopfsteinpflaster! Und das mit meinem Rad! Geht gar nicht! Nachdem das endlich überstanden ist, geht es auf die Wendepunktstrecke, die vier Mal zu absolvieren ist. Beim ersten Wendepunkt nach 5 km sehe ich, dass ich bereits unter den ersten Fünf bin. Und am zweiten Wendepunkt nach einer Runde (Km 10) kann ich die Führung übernehmen. Das hätte ich aber besser nicht getan! Es wirkt so, als hätte ich einen schlafenden Bären geweckt. Jedenfalls sieht der lange auch so aus: groß und kräftig – und bärtig! 😉 Jetzt gibt er richtig Gas. Meter um Meter legt er zwischen uns. Ich probiere, daran zu bleiben. Doch es geht nicht. Ich schaue auf meinen Wattmesser und stelle fest, dass ich das nicht mitgehen kann. Am Ende wird sich herausstellen, dass diese Radgranate eine Durchschnittsleistung von 360 bis 370 Watt gefahren ist – Wahnsinn! Und jetzt schießt mir wieder das gestrige Deutschlandspiel gegen Schweden durch den Kopf: stark angefangen, dann einen Durchhänger gehabt und fast schon alles verloren und am Ende doch der glückliche Sieg. Den Durchhänger habe ich jetzt: Der Typ ist klasse. Doch ich habe Hoffnung auf ein glückliches Ende. An jedem Wendepunkt schaue ich ihn mir genau an und bilde mir ein, dass er bei seiner Größe bestimmt nicht laufen kann. So langsam wird es frisch auf dem Rad. Meine Zehen spüre ich schon lange nicht mehr. Und auch die Hände sind fast steif. Da naht die Wechselzone.

Mit einer Minute Rückstand steige ich als Zweiter vom Rad. Doch meine Laufschuhe bekomme ich kaum an. Ich muss mich setzen, um mit klammen Händen die tauben Füße in die Schuhe zu zwängen. Und ab. Nach nicht einmal zwei Kilometern habe ich den Bären eingeholt. Meine Hoffnung scheint sich zu bewahrheiten. Ich rechne kurz durch, denn mein Hirn ist das einzige, was bei dieser Kälte noch nicht eingefroren ist: „Wenn ich auf 2 km eine Minute gut gemacht habe, sind das 30 Sekunden pro Kilometer. Also ist die Relativgeschwindigkeit zwischen uns so groß, dass er sich nicht an mich dranhängen kann.“ Meine Rechnung passt. Jetzt, mit dem Führungsfahrrad vor der Nase laufe ich wie beflügelt meine vier Runden und erreiche mit einem Vorsprung von mehr als drei Minuten das Ziel: Landesmeister in der offenen Klasse, d.h. Gesamtsieger! So darf es ruhig weitergehen. Auch für die Deutsche Fußballnationalmannschaft?

Ergebnisse: https://www.stgk.de/Ergebnisse/2018/13/lm-gesamt.pdf