Lümmellauf – oder: die Sache mit dem toten Eichhörnchen, 15. Januar 2017

img-20170115-wa0005Wie ist die Laufform zu Jahresbeginn? Wie sind die Bedingungen nach den Schneefällen in den letzten Tagen? Wie stark ist die Konkurrenz? Warum hat der zukünftige US Präsident ein totes Eichhörnchen auf dem Kopf? All das sind Fragen, die mich vor dem ersten Wettbewerb im Jahre 2017 umtreiben. Die Antworten findet der interessierte Leser im folgenden – vielleicht aber nicht auf alle Fragen 😉

Es war einmal . . . der Lümmellauf. Und wenn er nicht gestorben ist, dann findet er auch heute noch statt. Immerhin ist es die mittlerweile 39ste Ausgabe dieser Traditionsveranstaltung. Und im Gegensatz zu anderen (neu-deutsch) „Laufevents“, erfreut er sich immer noch ungeheurer Beliebtheit, sodass er lange im Voraus mit ca. 1200 Startern auf verschiedenen Distanzen ausgebucht ist und Starter aus weiten Teilen Norddeutschlands anlockt. Ich weiß nicht, was ihn so beliebt macht. Vielleicht sind es die krummen Streckenlängen. In „meinem“ Lauf über 9700 m mit Crosscharakter standen fast 600 Beine an der Startlinie. Den Sieger kannte ich bereits vorher. Aber mit wem dürfte ich mich um die Plätze dahinter messen?

Die Bedingungen sind okay, nicht optimal, aber passabel: 2 Grad plus, leicht bedeckt, größtenteils ein bisschen schmierig aber nicht glatt und im Wald stellenweise sehr weich. Bestzeit würde es nicht geben, aber schließlich ist die Strecke für alle gleich und die Wahrheit liegt auf dem Platz.

Bei meinem Heimrennen kenne ich nicht nur jede Baumwurzel sondern auch gefühlt die Hälfte aller Teilnehmer. Nächstes Mal sollte ich eine Stunde eher kommen, um mit jedem schnacken zu können. So führe ich noch die letzten Gespräche als auch schon der Startschuss kracht und – daran wird sich auch in 2017 nichts ändern – alle wie von der Tarantel gestochen losrennen. Nach der ersten Hatz bei ca. 500 m sind vier bekannte Gesichter um mich herum – aber auch ein unbekanntes. „Wer ist das? Was hat der drauf? Ist der für Trump’s Frisur verantwortlich?“ Auf jeden Fall ist es ein Triathlet, was an seinem Trikot zu erkennen ist: Regionalliga oder 2. Liga aus Hamburg. Er macht die Führungsarbeit und ordentlich Druck.

Nach 800 m geht es in den Wald. Auf dem folgenden Kilometer liegt eine festgetretene Schneedecke. Mit ein paar schnellen Schritten schiebe ich mich nach vorne, um auf dieser Passage erkennen zu können, wohin ich trete. Das Tempo bleibt konstant bei einem Schnitt von 3:35 min pro Kilometer. Aber es kostet ganz schön Kraft! Nach zwei Kilometern kommt wieder eine Asphalt-Passage. Ich blicke mich um und stelle zu meinem Erstaunen fest, dass ich mich bereits ca. 30 m von meinen vier Verfolgern abgesetzt habe. „Aber was ist denn mit dem Sieger los? Will er nicht? Oder kann er nicht? Hat er das Eichhörnchen erlegt?“ Jetzt wird es auf den nächsten drei Kilometern etwas rutschig. Immer weiter kann ich mich absetzen. „Wäre das cool, wenn ich bei meiner fünfzehnten Teilnahme dieses Ding hier mal gewinnen könnte!“ Aber da hat einer etwas dagegen: Lennart, der auch in dieser Saison in der 1. Triathlon-Bundesliga für Darmstadt an den Start geht! Immer lauter höre ich seine Schritte. Mir ist klar: Gleich hat er mich. Kurz vor der Brücke durch’s Moor schließt er zu mir auf. Wir werden ermahnt, auf der maroden Brücke zu gehen, damit wir nicht auf alle Zeiten im Moor versinken. Wir halten uns NATÜRLICH dran 😉 Nach der 400 m langen Brücke sagt Lennart zu mir, dass er die erste Hälfte verhalten angehen wollte und jetzt dann mal ein bisschen schneller laufen würde. Ich möchte gern etwas erwidern, gleichwohl fehlt mir die Luft dazu! Und schwups, ist er weg. Irgendwie ändert sich am Rennverlauf für mich nichts: Bisher bin ich alleine gelaufen, und die zweite Hälfte werde ich das auch müssen. Da sehe ich ein Eichhörnchen durch den Wald hoppeln 😉 Der weitere Rennverlauf ist schnell erzählt: bergauf, pust, knöcheltief, dreckige Schuhe, wieder fester aber dafür rutschig, knöcheltief, letzter Anstieg, nochmal pust, kämpfen, rutschig, Ziel, Zweiter.

img-20170115-wa0003Am Ende bleibe ich in 34:39 min über eine Minute über meiner Bestzeit. Aber mehr war heute nicht drin. Mein neuer Vereinskollge, Wieland, ein junges Lauftalent, lässt mir in diesem Jahr nochmal den Vortritt und wird hervorragender Dritter! So kann’s weitergehen . . .

Abends in den TV-Nachrichten stelle ich fest, dass es das Eichhörnchen aus dem Ahrensburger-Wald nicht geschafft hat! Es liegt wieder tot auf dem Kopf des bald mächtigsten Mannes im Weißen Haus 😉

Ergebnisse: http://luemmellauf.de/wp-content/uploads/2017/01/Siegerges.pdf