Auf ein Neues – Lümmellauf in Ahrensburg, 21. Januar

Auf ein neues Jahr und einen erneuten Versuch, beim Lümmellauf mal ganz vorne zu landen. Seitdem ich in Ahrensburg wohne, bin ich fast jedes Mal mitgelaufen. Jetzt, glaube ich, zum fünfzehnten Mal. Und noch nie ist es mir gelungen, diesen Lauf durch mein „Wohnzimmer“ für mich zu entscheiden. Und auch in diesem Jahr sieht es nicht besonders gut aus, da ich, fast schon traditionell, über Weihnachten und den Jahreswechsel eine schöpferische Auszeit vom Sport aufgrund einer Erkältung hatte und somit nicht in Topform war. Als ich dann aber zwei Tage vorher erfuhr, dass der Topfavorit passen musste, witterte ich wieder eine Chance. Doch wer würde von außerhalb noch an der Startlinie stehen?

Die Bedingungen sind nicht schlecht, aber auch nicht optimal. Bei Temperaturen leicht unter dem Gefrierpunkt und zähem Hochnebel sind einige Passagen im Wald noch mit gefrorenem Schnee bedeckt. Und auch die Siedlungsstraßen sind teilweise extrem rutschig. Aber ich kenne hier auf meiner Hausstrecke ja jeden Meter 😉 Beim Einlaufen entdecke ich einen Spitzentriathleten aus Hamburg, der im Sommer den Ironman Hamburg als bester Altersklassenathlet unter 9 Stunden gefinisht hat und dabei noch einen sub 3 Marathon hingelegt hat. „Okay, Gesamtsieg ade! Wieder nichts, dieses Jahr. Aber nicht kampflos.“

Als der Startschuss fällt, macht mein Vereinskollege Wieland gleich Druck. „Hölle, das halte ich nicht lange durch!“ Nach 500 m sind wir nur noch zu dritt vorne. Als Wieland und ich uns gerade an der Spitze einrichten, möchte Golo, der Spitzentriathlet nicht mitspielen, geht an uns vorbei und zieht das Tempo an. „Wie jetzt? Noch schneller?“ Ich beiße die Zähne zusammen und gehe mit. Wieland, der auch lange verletzt war, kann nicht ganz folgen. Dann geht es auf die technisch anspruchsvollen Strecken durch den Wald. Ich bekomme mit, dass Golo in den glatten Kurven keine Traktion hat und sich eher tippelnd um die Ecken bewegt. „Kann ich das zu meinem Vorteil nutzen?“ Ich setze mich in der ersten Kurve wieder an die Spitze. Doch das währt nicht lange, denn Golo hat etwas dagegen. Er möchte gerne im unwegsamen Gelände vorne laufen. Recht hat er. Ich muss hinter ihm schon sehr konzentriert sein, um mir keinen Fehltritt im gefrorenen Schnee zu leisten. Dann geht es wieder auf die Straße und in die Siedlung. Bei der Abbiegung kann ich wieder an Golo vorbeiziehen. Jetzt ist es quasi ein Slalomlauf – von der Straße auf den Bürgersteig und wieder zurück. Die Straße ist spiegelglatt, aber auf den Gehwegen liegen zum Teil Weihnachtsbäume im Weg. Golo lässt mir den Vortritt und orientiert sich an meinem Laufweg. Kurz denke ich, dass ich mich etwas absetzen kann – denkste. Nach 5 km ist Golo wieder dran. Dann geht es über die Brücke und wieder in den Wald. Durch eine schlammige Passage geht es noch. „Kann ich da angreifen?“ Nein. Golo kontert, geht vorbei und zieht das Tempo an. Ich beiße mich fest. Dann nimmt er wieder Geschwindigkeit raus, und zieht wieder an. „Ah, er spielt mit mir. Verstehe.“ Wir schenken uns nichts. Es ist ein Kampf auf Augenhöhe. Es macht richtig Spaß! Jetzt lege ich mir einen Plan zurecht. Mal sehen, ob der aufgeht.

Der letzte Anstieg ca. 1 km vor dem Ziel ist geschafft. Schulter an Schulter laufen Golo und ich. Ich wähle dabei die linke Seite, weil das in der nächsten Kurve innen sein wird. Und dann kommt sie, die nächste Kurve. Jetzt geht es vom Waldweg wieder auf die Straße. Meine Einschätzung stimmt: Die Straße ist glatt. Daher beschleunige ich aus der Kurve heraus, und Golo hat sofort fünf, sechs, sieben Meter Rückstand. Aber jetzt heißt es durchziehen. Es ist eine verdammt lange Zielgerade, fast 500 m lang. Ich bin schon am Limit, total übersäuert. Noch 200 m. Ich höre Golo’s Atem wieder. Noch 100 m. Nicht nachlassen. Noch eine Abbiegung in den Zielkanal. Ich höre Golo’s Schritte. Doch dann schaffe ich es: Gesamtsieger beim Lümmellauf!

Da muss man erst in die AK50 aufsteigen, um das zu erreichen. Es ist zwar nicht meine Bestzeit auf dieser Strecke. Aber bei diesen Bedingungen ist das schon vollkommen okay. Der Fight mit Golo hat verdammt viel Spaß gemacht. Mein Vereinskollege Wieland kommt auf einen starken dritten Platz – toll!

Ergebnisse: http://luemmellauf.de/wp-content/uploads/2018/01/10km.pdf